Terreur Nocturne
Ein Theater des Makabren
Tipps zum Spielspaß
Call of Cthulhu ist ein Erzählspiel um fremdartigen Horror, welches sowohl dem gotischen Schauermärchen, als auch dem hartgesottenen Pulp verpflichtet ist. Die Spielerfahrung arbeitet in ihren besten Momenten mit der totalen Immersionserfahrung von Theater oder genauer – Improvisationstheater. Völlig in seinem Charakter aufzugehen und durch ihn den Grusel und das Abenteuer der dunklen Welten des Howard Phillips Lovecraft zu erleben, ist das Ziel dieser Unterart des Live Rollenspiels. Wenn einem dies gelingt, kann man eine große Menge Spaß haben und anderen durch seine Darstellung auch Spaß bescheren. Dafür setzen die Spielleiter die Szenerie und beraten das Szenario vor. Dafür gestaltet jeder Spieler seinen Charakter aus. Doch wenn der sprichwörtliche Vorhang dann aufgeht, ist es oft sehr schwer, in seine Rolle hineinzuschlüpfen und sich in die Angst des Szenarios fallenzulassen. Wir schlagen zehn Methoden vor, um sich einfacher auf das Spiel einlassen zu können und so für sich den maximalen Spaß möglich zu machen.

Interagieren statt isolieren.
Die meisten Menschen sind sehr vorsichtig im Umgang mit Neuem und frönen einer ausgeprägten Paranoia in Bezug auf die Motive ihrer Mitmenschen. Auch im Cthulhu Paper&Pen geht es meist um die kleine Gruppe von Ermittlern gegen eine Welt voller böser NSCs. Was im Tischrollenspiel seinen berechtigten Platz hat, ist im LARP, das komplett auf Interaktion basiert, aber äußerst destruktiv, denn es rettet vielleicht Deinen Charakter, aber sabotiert alles Spiel. Wenn Du Dich stattdessen aber einfach auf Impulse von außen einlässt und diesen folgst, wirst Du nicht nur schnell Anschluss finden. Die Spielleitung versucht gerade deshalb auch immer, Charaktere inhaltlich eng zu verknüpfen und konfliktreiche Zielvorgaben zu setzen, die zu viel Interaktion führen sollen. Aber nur, wenn Du diese Impulse auch aufgreifst und umsetzt, kann der Ball auch ins Rollen kommen.

Das Spiel braucht Konflikt.
Eine der interessantesten Arten der Interaktion im Spiel ist Konflikt. Auch wenn dieser auf den selben Prinzipien von Paranoia und Aggression beruht, wie die spielerisch destruktive Isolation, führt offener Konflikt auf verbaler Ebene zu noch mehr Spiel, also mehr Darstellung, mehr Eintauchen in die Szene und darum besseres Spiel für alle. Die Monster sind oft nicht das schreckliche bei Lovecraft, sondern die Menschen, die ihren Lastern und dem Wahnsinn verfallen. Zusammenarbeit kann an Stellen richtig sein, aber Konflikt generiert immer neues Spiel für alle.

Erwarte nichts, adaptiere alles.
Wer mit großen vorgefassten Erwartungen an sich oder das Spielgeschehen auf eine Con kommt, wird unweigerlich enttäuscht werden. Egal wie viel Arbeit die Spielleitung in gruselige Szenarien steckt und egal wie sehr Du selbst Dich um die Darstellung Deines Charakters bemühst, die Realität wird niemals den mit Liebe ausgesponnenen Phantasien in Deinem Kopf gerecht werden können. Nichts erwarten und sich überraschen lassen ist der Schlüssel zu mehr Spaß und weniger kopfgesteuertem Agieren im Spiel. Auch wenn Du mal denkst, dass eine Wendung total lahm ist oder nicht dem entsprichst, was Du dir gewünscht hat – im Normalfall haben sich die Spielleitung und Deine Mitspieler etwas dabei gedacht und wenn Du einfach enthusiastisch mit am selben Strang ziehst, kannst Du mit verfolgen, wohin sich die Situation entwickelt und eventuell doch noch einen Ansatzpunkt finden, der Dir Spaß macht.

Nutze Deinen Nebenplot.
Jeder Charakter bei Terreur Nocturne ist liebevoll und oft recht subtil mit anderen Charakteren verknüpft und hat über sein Briefing einen Mini-Plot, den er auch abseits der Haupthandlung verfolgen kann, während sich das Szenario entfaltet. Diese, meist völlig unmystischen, Plots helfen, die rein menschliche Situation und Aussicht Deines Charakters zu illustrieren und ihn für Dich glaubhafter und angenehmer in der Spielerfahrung zu machen. Du bereicherst so für Dich und andere das Szenario ungemein.

Glaube an Deine Lage, nicht an Deine Vorkenntnisse.
Wer bei Terreur Nocturne mitspielt, hat meist wenigstens eine Teilweise Kenntnis des Lovecraft’schen Cthulhu Mythos oder ist wenigstens ein Kenner von Horror-Literatur und filmen. Wir können und wollen das Rad nicht neu erfinden und bedienen uns gerne bei den erzählerischen und darstellerischen Konventionen von Vorlagen aus Literatur und Film. Das führt dazu, dass Du und wir aus ein und demselben Pot schöpfen. Egal wie sehr wir uns um Originalität bemühen, Du wirst praktisch immer etwas wiedererkennen.  Je mehr Naivität und spielerisches Unwissen Du Dir gestattest, umso weniger wird Dir Dein Vorwissen beim Spielspaß in die Quere kommen.

Sieh nicht so genau hin.
Also gut, eigentlich verfolgt Dich ein grässliches tentakelbewehrtes Blob-Monster aus den Tiefen der Erde, aber tatsächlich siehst Du ziemlich genau dass es die beiden SLen, ein bemaltes Laken, ein paar Duschschläuche und eine überbeanspruchte Nebelmaschine sind, die Deinem Charakter auf die Pelle rücken. Egal wie liebevoll wir die Kreaturen der Finsternis gestalten, sie können immer nur Anknüpfpunkt für Dein Spielerleben sein. Nur wenn Du dir das gesehene auf ein für Deinen Charakter reales Maß zurecht redest, wirst Du den nötigen Spaß beim Gruseln entwickeln können. Eine hervorragende Taktik dafür ist es, nie genau hinzuschauen, Dinge möglichst nur im Augenwinkel wahrzunehmen und einfach auch mal wegzurennen. Die effektivsten Horror-Szenen im Film sind ja auch oft die, wenn man das Geschehen gerade erahnen kann und die Kamera dann abblendet.

Triff forsche Entscheidungen, statt Dich immer zu retten.
Helden sterben jung. Die gesamte epische Literatur der Menschheitsgeschichte besteht meist aus Pyrrhus-Siegen und Szenen von nobler Aufopferung, um den Erfolg einer Sache zu garantieren. Erst das Action-Kino des Zwanzigsten Jahrhunderts hat uns den Helden vom Arnie-Typus gebracht, dem es gelingt, die Bösen zu töten, das Land zu retten, die Prinzessin zu bekommen und alles mit gerade mal einer Fleischwunde zu überleben. Dadurch haben große Taten aber auch an Bedeutung verloren, denn sie verlangen der modernen Heldenfigur kaum noch ernst zu nehmende Opfer und Entscheidungen ab. Bei uns im Spiel stirbt man schnell und dreckig oder langsam und noch dreckiger. Das Überleben oder die geistige Gesundheit sind nur ganz Wenigen vorbehalten. Doch ein Opfer hat immer Sinn und ein Tod ist ein großer Moment, der meist noch etwas bewirkt. Versuch nicht, um jeden Preis Deinen Charakter zu retten. Strebe lieber danach, dass Du Dein Schicksal in die Hand nimmst und Spuren im Sand hinterlässt.

Versuche alles andere, wenn Du festgefahren bist.
Der Cthulhu Mythos ist immer auch eine Detektivgeschichte. Während die Literatur den Prozess der Erkenntnisbildung aber durch das Narrative abkürzen oder das Paper und Pen diesen durch einige Würfelwürfe simulieren kann, muss im Live Rollenspiel jeder Hinweis tatsächlich ausgewertet, jeder Zeuge tatsächlich befragt und jedes Puzzle tatsächlich entschlüsselt werden. Dabei fällt man allzu oft auf falsche Spuren herein, übersieht wichtige Hinweise oder begreift einfach nicht, worum es eigentlich geht. Das kann schnell zu Langeweile und Frustration führen. Hier können wir nur raten, immer wieder etwas Neues zu versuchen, andere Meinungen in Teamarbeit zu Rate zu ziehen und im Zweifelsfall den Plot einfach mal eine Weile Plot sein zu lassen, bis man einen neuen Input erhält.

Knack das Szenario, nicht die Spielleitung.
Das kann man eigentlich gar nicht oft genug sagen. Wir als Spielleitung entwerfen ein Szenario, damit die Spieler Spaß haben, nicht damit die von uns ersonnen Antagonisten mit ihren okkulten Plänen durchkommen. Wir versuchen nicht „die Spieler zu schlagen“. Natürlich machen es Dir die NSCs bisweilen schwer, aber die Spielleiter sind dazu da, um Dir mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und Deine Spielerfahrung so angenehm wie möglich zu machen. Wenn Du diese Möglichkeit nutzt, kann viel Positives daraus entstehen, wenn nicht, spielen wir leider aneinander vorbei.

Gestehe Dir ein, wenn etwas zu viel für Dich ist.
Wir spielen ein Horror-Rollenspiel und das ganze noch Live, also mit möglichst totalem Eintauchen ins Spielgeschehen. Übermüdung, Auszehrung, unbequeme Umstände und panische Angst sind nicht Hinderungsgründe sondern bewusst eingesetzte Stilmittel des Spielgeschehens. Gerade hier ist es wichtig, dass Du Deine Grenzen kennst und eine Situation abbrichst, sobald Du merkst, dass sie weiter geht, als es Du es für Dich vertreten kannst. Zu einem gewissen Teil soll man ja mit dem Schicksal des Charakters im Rollenspiel verschmelzen, aber Du tust Dir und auch Deinen Mitspielern nichts Gutes, wenn Du Dich zielsicher selbst zum Wrack machst, weil Du lieber stoisch ausharren wolltest, statt eine Situation abzubrechen und Dir eine Pause zu gönnen.
Überlebensstrategien im Spiel
Grenzgebiete der Darstellung
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